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SPD schickt Lienig ins Bürgermeister-Rennen

Montag, den 05. Oktober 2009 um 13:26 Uhr | Geschrieben von: krl | PDF Drucken E-Mail

Hehlener will für die kommenden acht Jahre Chef der Samtgemeinde Bodenwerder Polle werden

Bodenwerder (ul). „Ihr macht das ja hier nicht unter hundert Prozent", nahm Gabriele Lösekrug-Möller das Wahlergebnis für den SPD-Samtgemeindebürgermeister-Kandidaten bei der Auszahlung der 40 abgegebenen Delegiertenstimmen vorweg. Die Bundestagskandidatin sollte mit dieser Anspielung auf den zuvor vom SG-Bürgermeister Ernst-August Wolf urkundlich belegten Beschluss zur Fusion beider Samtgemeinden Bodenwerder und Polle richtig liegen: Alle 40 wahlberechtigten SPD-Delegierten aus Bodenwerder und Polle stimmten für Hehlens Bürgermeister. Damit kandidiert ein „Mann aus unserer Mitte und tief verwurzelt mit der Region", wie SPD-SG-Verbandsvorsitzender Friedel Lages sagt, für die SG-Bürgermeisterwahl, die vor den Osterferien Anfang März stattfinden wird.Kandidat Lienig

Sein christdemokratischer Gegenkandidat ist der Verwaltungsfachmann Jörg Dreier. Nach einer bundesweiten Ausschreibung ist der zuletzt in Sachsen tätige Jurist vom CDU-SG-Verband aufgestellt worden (wir berichteten).

Verantwortung fürs Ehrenamt im Fußballverein strebte Joachim Lienig noch Ende der 80er Jahre nebenberuflich an. In Brökeln aufgewachsen und im Alter von 17 Jahren nach Hehlen gezogen, war er aktives Mitglied im Verein für Rasenfreunde Hehlen und wollte den Verein irgendwann leiten. 18 Jahre lang bis 2001 war er dort Kassenwart. Nach dem Realschulabschluss absolvierte der heute 51-Jährige eine Lehre als technischer Bauzeichner in Hameln, diente vier Jahre bei der Bundeswehr in Stadtoldendorf als Vermesser und arbeitete anderthalb Jahre beim Okal-Fertighaushersteller in Lauenstein.

Politische Ambitionen hatte das Kind von Vertriebenen aus Schlesien und Sachsen bis zum Bau des neuen Vereinsheims nicht. Dort schwang auch Hehlens damaliger Bürgermeister Ernst-August Wolf als Maurer die Kelle und leistete Überzeugungsarbeit. „Er sprach mich an, ob ich für die SPD im Hehlener Rat kandidieren wollte." 1990 trat Lienig der SPD bei und zog 1991 in den Rat der Gemeinde ein. Bereits 1996 wurde er stellvertretender Bürgermeister seines politischen Ziehvaters Wolf in Hehlen.

„In die Verwaltungsaufgaben musste ich mich reinfuchsen", durch den plötzlichen Tod des Verwaltungsleiters Wolfgang Stanko am l. Januar 1997. „Gemeinsam mit Sigried Krüger lernte ich alle Rechtsvorschriften und Tätigkeitsfelder der Verwaltung kennen."

Zeitlich vereinbaren konnte der zweifache Familienvater dieses Ehrenamt, weil er seit Januar 1983 im Mittleren Allgemeinen Justizvollzugsdienst der Jugendanstalt Hameln im Wohngruppenvollzug arbeitete - in Wechselschicht. „Vor dem Spätdienst oder abends nach dem Frühdienst nahm ich Einsicht in die Verwaltungsakten." Das war nötig, weil Ernst-August Wolf von 1994 bis 2003 als Mitglied des Landtages den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Landespolitik verlagert hatte.

Fünf Jahre später wurde Lienig zum Bürgermeister von Hehlen gewählt und 2006 in diesem Amt bestätigt. Seit 2000 ist er Mitglied im Rat der SG Bodenwerder und seit 2006 stellvertretender SG-Bürgermeister.

Zurückhaltend wirkt der körpergroße Lienig und bezeichnet sich als analytischen Menschen: „Offensiv trete ich erst auf, wenn ich von einer Sache richtig überzeugt bin." Bis es soweit ist, nimmt er sich Zeit, verschiedene Meinungen anzuhören und abzuwägen. Ihm liegt „an der Zukunft der Region mit all den demografischen Problemen". Dabei vermeidet er politische Versprechen, Arbeitsplätze schaffen zu können. „Wir können Bebauungspläne erstellen und Gewerbeflächen bereitstellen als Politiker, aber Unternehmer schaffen die Arbeitsplätze."

Will sich nicht verzetteln

Der zurückhaltenden Art Lienigs entspricht es, dass er seinen Lokalvorteil gegenüber Jörg Dreier nicht in den Vordergrund stellt. Wichtig ist ihm, dass er sich nicht verzettelt. Deshalb hat er die Ambitionen, Vereinsvorsitzender vom VfR Hehlen zu werden, mit der Übernahme der politischen Ämter fallengelassen und die Anfrage, als SG-Bürgermeister bereits im Jahr 2006 zu kandidieren, abgelehnt. „Das wäre nicht vereinbar gewesen mit meinen neuen Aufgaben in der Justizanstalt." Dort ist er seit Mitte 2006 Fachbereichsleiter Bau und Technik für die Gebäude in Tündern, des offenen Vollzugs in Hameln und in Bückeburg.

Sollte Lienig für die kommenden acht Jahre als SG-Bürgermeister gewählt werden, muss der Beamte auf Lebenszeit seinen Job kündigen „ohne Rückkehrklausel". Deshalb strebt er eine Wiederwahl nach acht Jahren an.

 

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