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Samstag, 19. Januar 2019

1907 gebaut, stand das „Edler-Haus" seit den 90er-Jahren leer und wurde zum Schandfleck - jetzt entsteht hier eine begrünte Parkfläche.

Abriss Mit dem Abriss des Wohnhauses in der Hauptstraße 50 in Hehlen wird ein Stück Geschichte in Hehlen dem Erdboden gleichgemacht. Als „Edler-Haus" war dieses Gebäude allgemein bekannt, stand seit 1995 leer und verfiel zusehends. Anfangs hat so mancher Bürger noch versucht, einen Blick durch das ehemalige Schaufenster oder die Ladentür ins Innere zu riskieren; im Laufe der Zeit wurde das allerdings durch herabfallende Dachziegel zu gefährlich - das rot-weiß-gestreifte Flatterband rund um dieses Eckhaus gehörte seit Jahren schon zum gewohnten Anblick. Nun ist das Haus fast dem Erdboden gleich und macht Platz für Pläne der Dorferneuerung. Der Abriss wurde möglich, nachdem die Gemeinde Hehlen das Objekt von den Erben für einen symbolischen Preis von einem Euro im vergangenen Jahr erworben hat.

Die Mühlenstraße soll im Rahmen der Dorferneuerung saniert und aufgrund ihrer Enge und zur Sicherheit der Fußgänger zur verkehrsberuhigten Zone werden. Wichtig für dieses Vorhaben ist, dass Parkplätze geschaffen werden - eine Grünfläche mit Parkplätzen soll auf dem Abrissgelände entstehen.

Abriss „Es war angedacht, im Rahmen des Dorferneuerungsplanes auch das Edler-Haus mit einzubinden", sagt Bürgermeister Harald Jacob. Ein Gutachten allerdings hatte ergeben, dass die Substanz dieses einst sehr repräsentativen Bauwerks so stark geschädigt war, dass mehr als 500.000 Euro in eine Instandsetzung hätten fließen müssen. Nun fallen die Kosten für den Abriss in die mit rund 450.000 Euro veranschlagte Gesamtmaßnahme „Mühlenstraße". „Mit einer Nettosumme von rund 200.000 Euro wird unser Vorhaben vom Amt für Landesentwicklung Hannover gefördert", erläutert Harald Jacob. Eine Baustelleneingangs-besprechung hat bereits stattgefunden und es ist geplant, mit den Arbeiten an der Mühlenstraße nach Ostern zu beginnen. „Es ist irgendwie schon schade um das schöne Haus", gibt der Bürgermeister seine Empfindungen beim Beobachten der Abrissarbeiten wieder. Allerdings, so Jacob, sei ja wirklich an dem total auch von innen zerfallenen Gebäude nichts mehr zu retten gewesen. „Wir können nun Pläne realisieren, die positiv und attraktiv für diesen Ortsmittelpunkt sind", ist Jacob überzeugt.

Auskunft des Abrissunternehmers Heine aus Holzminden sollen alle Gebäudeteile bis zum heutigen Samstag abgerissen sein. Für die Bauschuttbeseitigung und das Entfernen der Fundamente - es werde laut Heine selbstverständlich alles getrennt und teilweise recycelt - sowie die Rückverfüllung der Baugrube veranschlagt der Unternehmer den Zeitraum bis Ostern. Die erforderlichen Straßensperrungen sollen bereits ab heute wieder aufgehoben werden. Es wird noch bis zum Osterwochenende zu Behinderungen des Straßenverkehrs durch die Abriss- und Abfuhrarbeiten kommen.

Jüdischer Kaufmann baute das Haus 1907

Das Eckhaus in der Hauptstraße 50 wurde 1907 von dem jüdischen Textilkaufmann Alex Bach (geboren 1868) erbaut. Aus Aufzeichnungen über das jüdische Leben in der Gemeinde geht hervor, dass er neben seinen beiden ledigen Söhnen Arthur und Kurt mehrere Angestellte, einen Lehrling und ein christliches Hausmädchen beschäftigte. Zusätzlich zu dem Ladengeschäft bereiste Bach und auch seine Angestellten mit Musterkoffern die umliegenden Dörfer. Mit dem Auto wurden die Vertreter samt ihrer Fahrräder morgens in die Dörfer der Ottensteiner Hochebene gefahren, nahmen dort Bestellungen auf und radelten abends nach Hehlen zurück. Die georderte Ware wurde dann durch ortsansässige „Agenten" ausgeliefert. Es war üblich, im Frühjahr einzukaufen und im Herbst, nach der Ernte, zu zahlen. Im Jahre 1940 verließ die Familie Bach aufgrund der politischen Verhältnisse Deutschland und wanderte nach Bolivien aus.

Das Gebäude wurde nun durch die Gemeinde Hehlen als Kindergarten genutzt, und im Laufe der Jahre bewohnten verschiedene Handwerker, wie Elektrohändler Babst, Fahrradhändler Struck oder die Schneiderfamilie Fehmi das Haus. 1956 erwarb Familie Karl Edler das Gebäude und betrieb ein Milchgeschäft und Lebensmittelhandel bis in die frühen 90er-Jahre.

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