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Mittwoch, 21. Oktober 2020

Kirchengemeinde verkauft Pfarrhaus Hohe / Zuletzt als Freizeitheim genutzt

 

Die Kirchengemeinde Hehlen-Hohe hat sich von ei­nem wichtigen Stück ihrer Ge­schichte verabschiedet: aus wirtschaftlichen Gründen ist der Verkauf ihres zuletzt als Freizeitheim genutzten Pfarr­hauses unvermeidbar gewor­den. Das in seiner Substanz jahrhundertealte Haus soll nun an den Betreiber des in Hohe ansässigen Kinderheims „Kaul­quappe" veräußert werden. In einer kleinen Runde trafen sich interessierte Gemeindemitglie­der noch einmal in den derzeit leerstehenden Räumen des Fachwerkhauses, um sich von „ihrem" Pfarrhaus zu verab­schieden und nicht ohne Weh­mut Erinnerungen auszutau­schen.

Kirchengemeinde verkauft Pfarrhaus HoheWie Pastor Peter Dortmund berichtet, hat eine bautechni­sche Untersuchung durch den Landkreis Holzminden letzt­endlich zu der Entscheidung des Kirchenvorstandes geführt, sich von dem Haus zu trennen: Nach der behördlichen Besich­tigung des Objektes habe es baupolizeiliche Modernisierungsauflagen gegeben, die für die Kirche Investitionen von et­wa 35.000 Euro nach sich gezogen hätten, erklärt Dortmund, und dass man im Kirchenvor­stand Zweifel daran gehabt ha­be, ob sich eine solche Investiti­on für das Freizeitheim über­haupt amortisiere.

Gerda Busse hat zusammen mit Sigrid Jakob das Freizeit­heim Pfarrhaus Hohe seit sie­ben Jahren ehrenamtlich gelei­tet. Sie weiß zu berichten, dass das Pfarrhaus vor 35 Jahren in ein Freizeitheim umgewandelt worden war, anschließend zu­erst in der Trägerschaft des Kir­chenkreises Bodenwerder, dann in der des neu gebildeten Kir­chenkreises Holzminden-Bodenwerder. 2006 hatte die da­mals heruntergewirtschaftete Einrichtung dann die Kirchen­gemeinde Hehlen-Hohe über­nommen und ehrenamtlich weitergeführt. Seitdem besuch­ten das Freizeitheim jährlich et­wa 25 Gruppen mit rund 300 Gästen. „Das hat unseren klei­nen Ort nach außen bekannt gemacht," so Gerda Busse. Zu­dem hätten die Gäste immer die Atmosphäre im alten Pfarr­haus trotz der spartanischen Ausstattung im Heim gelobt.

Dörte Meinel, die viele Jahre in dem Haus gelebt hat, nach­dem Hohe keinen eigenen Pas­tor mehr hatte, hat in der Ge­schichte des bislang kirchenei­genen Anwesens geforscht.

Nach ihren Recherchen wurde bereits vor 1200 Jahren in einer Corveyer Chronik erstmals er­wähnt, dass das Land in Hohe, auf dem heute das Pfarrhaus steht, in einer Schenkung an das damals erst fünf Jahre be­stehende Kloster übertragen worden ist. Und seitdem, so Dörte Meinel, dürfte das Grundstück mit kirchlichen Bauwerken bebaut gewesen sein. So wird später von einem geistlichen Hospiz für durch­wandernde Kleriker,' von einer Kirche und einer Schule berich­tet. 1744 steht in alten Urkun­den, dass das Pfarrhaus ein neues Sandsteindach erhält, 1806 ist von einem Teilneubau die Rede, bei dem das Haus in der Achse gedreht wurde. Die letzte maßgebliche Erneuerung fand 1916 statt.

Kirchengemeinde verkauft Pfarrhaus HoheWie Pastor Dortmund fest­stellt, geht durch den Verkauf des Pastorenhauses ein Teil der Kirchenschenkung nach 1200 Jahren nun wieder in weltlichen Besitz über. Für manchen der Gäste des Abschiedstreffens war das ein Grund, mit Wehmut auf die Dinge zurückzubli­cken, die in ihrer Biografie mit diesem Haus verbunden waren - auf den Kinderspielkreis, der hier in den 70er Jahren zu Hau­se war, auf Konfirmandenstun­den, Frauenkreise öder die Gründung des Posaunenchores in diesen Räumen. Und Münchhausens halbes Pferd, das heute vor Bodenwerders Rathaus steht, hat seine Wur­zeln im Pfarrhaus Hohe: Hier hatte sich der Künstler Bruno Schmitz zeitweise ein Atelier eingerichtet. Von „großem emotionalen Widerstand gegen den Pfarrhaus-Verkauf sprach deshalb Pastor Dortmund beim Abschiedstreffen. Er erinnerte aber auch daran, dass der Ver­kauf unumgänglich geworden sei, „weil die Mittel und Zuschüsse eben auch bei der Kir­che weniger geworden sind".

Harald Jacob, Bürgermeister der Gemeinde Hehlen, begrüßt den Umstand, dass sich nahtlos eine neue Nutzung für das Haus gefunden hat: „Ange­sichts der demografischen Entwicklung; und der vielen Gebäudeleerstände in den Dörfern halte ich die künftige Nutzung für gut und dem Haus ange­messen.".

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