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das blaue Wunder in Hehlen

Prüfer rücken derzeit der Weserbrücke zwischen Hehlen und Daspe auf die Pelle. Das auch als „blaues Wunder" bekannte Bauwerk wird dabei auf seine Standfestigkeit überprüft.

Knapp 20 Meter über der Wasseroberfläche sprühen die Prüfer dazu Farbe von einem Hubsteiger aus an die Schweißnähte, die Brückenbögen und Abhängungen zusammenhalten. Im Anschluss wird die Naht sauber gewischt. Im schlechtesten Fall machen Farbpigmente Risse sichtbar. Alle sechs Jahre müssen Brücken in Deutschland einer Hauptprüfung unterzogen werden. Im Auftrag des Landkreises Holzminden führt ein Ingenieur nun auch die erste Überprüfung dieser Art an der Brücke zwischen Hehlen und Daspe durch.

Prüfer untersuchen die Weserbrücke derzeit auf ihre Standfestigkeit.Ralf Schubart hat genügend Küchenkrepp dabei. So gerüstet, kann er sich an seinen sonnigen Arbeitsplatz machen, denn es muss gewischt werden. Henning Ohm begleitet ihn. Der Mitarbeiter der Straßenmeisterei Holzminden bedient den Hubsteiger, denn Ingenieur Schubart wischt keineswegs Fußböden, sondern Stahlteile an der Brücke zwischen Daspe und Hehlen.

Knapp 20 Meter über der Wasseroberfläche sprüht der Prüfer ein Farbmedium an die Schweißnaht, die Brückenbogen und Abhängung zusammenhält. "Jetzt warten wir ab, dann wird ein weiteres Medium aufgesprüht. Auch dass lässt man einwirken." Dann kommt das Küchenkrepp zum Einsatz. Die Naht wird saubergewischt, und im schlechtesten Fall machen Farbpigmente Risse in der Naht sichtbar. „Hier ist aber alles in Ordnung", keine Farbe zu sehen, der Prüfer ist zufrieden. Ohnehin vermutet er keine gravierenden Schäden an der kleinen Weserbrücke. „Sie feiert ja gerade erst ihren sechsten Geburtstag. Bei einer so jungen Brücke kann man davon ausgehen, dass keine wesentlichen Probleme auftreten." Trotzdem geht er gewissenhaft seiner Arbeit nach, denn er trägt die Verantwortung für die Sicherheit der Weserquerung.

Alle sechs Jahre müssen Brücken in Deutschland einer Hauptprüfung unterzogen werden. „Bei dieser Untersuchung müssen sämtliche Teile der Brücke handnah begutachtet und auf eventuelle Schäden überprüft werden", sagt der Fachmann. Ohne Hubsteiger geht da nichts. Schubart misst, sprüht, wischt und protokolliert. Er kennt die Brücke gut, denn sein Ingenieurbüro Meyer+Schubart hat das landläufig „blaue Wunder" genannte Bauwerk über die Weser geplant. Im Auftrag des Landkreises Holzminden führt der Ingenieur nun auch die erste Sicherheitsüberprüfung durch. Er hat darin durchaus Erfahrung, sein Büro ist spezialisiert auf Brücken aus Stahl.

"Montag und Dienstag arbeiten wir mit dem Hubsteiger auf der Brücke, deshalb war eine Vollsperrung unumgänglich", erklärt er. „Bei zweispurigen Bauwerken ist das einfacher, dort kann der Verkehr auf einer Spur weitergeleitet werden." Das geht zwischen Daspe und Hehlen nicht. Nur Radfahrer und Fußgänger dürfen ungehindert passieren.

Schubart kommt gern ins Weserbergland an seine Brücke. Ganz oben ist die Aussicht am besten. „Angenehm ruhig hier, und auch landschaftlich sehr schön", außerdem haben die Männer schönes Wetter. „Vor allem kaum Wind", denn wenn es zu stürmisch wird, kann der Hubsteiger nicht hochfahren. Auch ohne Wind ist der Platz im kleinen Fahr korb schon wackelig genug, aber Schubart ist Routinier und Ohm ein guter Fahrer. Unten auf der Brücke sichert Thomas Krohn die Arbeiten ab. Ab Mittwoch kann der Verkehr wieder über die Brücke fließen, abgeschlossen sind die Arbeiten für den Ingenieur und die Männer von der Straßenmeisterei dann aber noch nicht, „denn Mittwoch geht es unter die Brücke". In einer spektakulären Aktion werden sie dann vom Boot aus sämtliche Teile im unteren Bereich des Bauwerks genau unter die Lupe nehmen. Danach ist Schubarts Arbeit an seiner kleinen Brücke vermutlich erledigt. „Fast schade", grinst der gestandene Ingenieur, denn schön ist es allemal hier. Dann klemmt er wieder seine Küchenkrepprolle unter den Arm, das blaue Wunder wartet und will gewischt werden.