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Samstag, 17. November 2018

 

 


Seit alten Zeiten schimpft man auf die Verwaltungsbehörden und ihren Papierkram. Die Gemeinde Hehlen jedoch sollte - zumindest am heutigen Jubiläumsfest - den Mönchen in der Schreibstube des Klosters Fulda in Hessen dafür dankbar sein, daß dort vor fast 1200 Jahren in einer Grundbesitzliste der Ortsname Hehlen zum erstenmal schriftlich aufgezeichnet und damit verewigt wurde. In einer ehrwürdigen mittelalterlichen Pergamenthandschrift ("Codex Eberharde", d. h. Ruch des Mönchs Eberhard aus der Zeit um 1160 n. Chr.), die heute im hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrt wird, findet sich nämlich der lateinische Eintrag "Hemmich schenkte dem Kloster Fulda seine Güter im Ort Heli". Den Geschichtsforschern ist es nach großen Schwierigkeiten gelungen, diese ohne Jahreszahl überlieferte Nachricht zu datieren und herauszufinden, dai3 dieses "Heli" unser heutiges Jubiläumsdorf Hehlen ist. Die Schenkungsnotiz muß in den Jahren zwischen 802 bis 817 nach Christi Geburt niedergeschrieben worden sein. Damit gehört Hehlen zu den vier allerältesten Gemeinden des Kreises Holzminden und auch zu den 570 ältesten Orten in ganz Niedersachsen. Das ist wahrhaftig ein Anlaß zu feiern und dabei auch einmal auf die Geschichte Hehlens zurückzublicken, die mancherlei Besonderheiten aufweist.

Doch muß auch erwähnt werden, daß von der ständig fortschreitenden Geschichtsforschung in allerjüngster Zeit (1978) gegen die bisher gültige Datierung der sogenannten "Fuldaer Schenkungsverzeichnisse", einer berühmten und wichtigen, aber sehr schwierigen Geschichtsquelle, kritische Bedenken erhoben worden sind. Ob dadurch auch die bisherige genauere zeitliche Eingrenzung der in dieser Quelle enthaltenen Hehlener Schenkungsnotiz auf die Jahre "zwischen 802 bis 817" ins Wanken gerät, bleibt abzuwarten. Doch wird sich an der Haupttatsache, daß Hehlen nämlich bereits im Anfang des 9. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wird, nichts ändern.

Wann Hehlen nun wirklich entstanden oder "gegründet" ist, wissen wir nicht. Auch bei anderen ganz alten Orten unter den rd. 4.300 (Stand 1950) Gemeinden Niedersachsens kennen wir das Entstehungsjahr fast nie. Was ist der Grund dafür?
Hehlen ist wahrscheinlich zum erstenmal dauernd besiedelt worden in einer frühen Zeit, aus der keine schriftlichen Dokumente überliefert sind, weil die Germanen und ihre Vorgänger die Schrift noch nicht kannten. In Hehlen und bei Kemnade sind mehrfach Urnengräber, wohl aus der Eisenzeit, gefunden worden und in dem mit Hehlen stets sehr eng verbundenen Daspe entdeckte man kürzlich Siedlungsspuren aus der Steinzeit und der Eisenzeit. Weitere Siedlungsanzeichen für Hehlen sind ein jungsteinzeitliches Beil sowie ein frühmittelalterlicher Reihengräberfriedhof (z. T. 8./9. Jahrhundert). Am linken Weserufer bei Bodenwerder wurde im Flußbett ein fünf Meter langer Einbaum gefunden und Luftaufnahmen lassen die Spuren einer offenbar von Menschenhand geschaffenen Anlage bei Kemnade (Kastell?) erkennen. Seit wann Hehlen aber ständig besiedelt war, ist ganz ungewiß, denn die vorgeschichtlichen Siedlungen waren häufig nicht an einen einzigen Ort gebunden, sondern wurden hin- und herverlegt. Auf hohes Alter unseres Ortes konnte auch seine Lage deuten: Hehlen liegt siedlungsgünstig genau am Zusammenfluß zweier mittelstarker Bäche. Nordöstlich davon öffnet sich die fruchtbare und altbesiedelte Hameln-Grohnder Weserniederung, durch die von Westen nach Osten eine uralte Straße führte. In früher Zeit ganz siedlungsabweisend und verkehrsarm waren dagegen nur die Ottensteiner Hochfläche und das lange enge Wesertal im Süden unseres Ortes.

Ein ganz wichtiges historisches Zeugnis für das Alter der Siedlung und die Bedeutung dieses Geländestücks am Weserufer für die Menschen in fernster Vergangenheit ist nun der Ortsname Hehlen. Doch ist leider gerade die Ortsnamenforschung, d h. die Erklärung und Altersbestimmung unserer deutschen Dorfnamen, eines der schwierigsten und umstrittensten Kapitel unter den Siedlungs- und Sprachgeschichtswissenschaftlern. Die Bezeichnung Hehlen ist ein sogenannter "dunkler Name", mit dessen Deutung man sich schon seit über hundert Jahren beschäftigt. Ursprünglich (Forstemann 1872) vermutete man einen sprachlichen Zusammenhang mit ähnlich klingenden Inselnamen (Halbinsel Hela vor der Weichselmündung). Dann meinte man (H. Dürre 1877), daß im Ortsnamen Hehlen der germanische oder altsächsische Männername "Eilo" oder "Agilo" steckt; dieser Name ist wohl von einem Wort mit der Grundbedeutung "Schrecken" abgeleitet. Eine umstrittene Deutung (H. Bahlow 1965) will in "Hehlen" ein vorgermanisches Wort ("kel-") für "Moor, Morast" erkennen und stellt unseren Ort in Parallele mit ähnlich lautenden in Niedersachsen, Westfalen und Holland. Neuerdings nimmt man an, daß der Name Hehlen wohl auf das indogermanische Grundwort "kel-", das "feucht" bedeutet, zurückgeht und ursprünglich ein Gewässername war (Reinhold Möller" Niedersächsische Siedlungsnamen ... vor dem Jahre 1200, 1979, S. 71 f.). Gerade die Gewässernamen gelten als sehr alt: Gewässer sind höchst auffällige, abgrenzbare und für den frühen Menschen lebenswichtige Naturerscheinungen. Nach Möllers Deutung wäre Hehlen möglicherweise ein vorgermanischer Name, da. h. er wurde in die Zeit vor dem Auftreten der Germanen in unserem Gebiet und damit vor Christi Geburt zurückreichen. Auch der Flußname Weser ist vorgermanisch, vielleicht sogar keltisch. Hehlen ist ein "eingliedriger", d. h. aus einem einzigen Wort bestehender Name. Diese unzusammengesetzten, aus einem Wortstamm bestehenden Ortsnamen gelten gemeinhin als alt und schwer zu deuten. Eine strenge zeitliche Einordnung dieser Namen ist nicht möglich. Ähnlich wie "Hehlen" lautende Gewässer- und Flurnamen kommen (laut Möller) im Lüneburgischen, im Schaumburgischen und Stadeschen vor. Eine andere neuere, für die Namenserklärung ebenfalls in Frage kommende Deutung (Jellinghaus 1923) will in Hehlen das altsächsische Wort "helan" ( = verbergen: vgl. "(ver)hehlen") erkennen; danach wurde Hehlen wie ca. sechs ähnliche westfälische Ortsnamen ungefähr bedeuten: "Ort der versteckt, etwa im Walde liege". Wie dem nun auch sei: beim Namen Hehlen dürfte es sich um eine Gelände- oder Stellenbezeichnung handeln, die die natürlichen Eigenschaften (feucht) oder die Lage (versteckt) überaus treffend charakterisiert. Sehr alt sind auch die Gewässernamen "Daspe" und "Allerbach". Das Grundwort "apa" in Daspe bezeichnet einen Wasserlauf und reicht in die älteste germanische Zeit zurück. Den ersten Menschen in unserem engeren Gebiet, die uns sprachliche Zeugnisse in Form dieser Namen über wohl mehr als zwei Jahrtausende hinweg hinterlassen haben, fielen demnach die hier konzentrierten Gewässer auf. Der Name "Hagenbach" ist demgegenüber relativ jung und offensichtlich von der mittelalterlichen Wohnstätte "Sievershagen" abgeleitet. Auffallend ist die Tatsache, daß genau gegenüber der Mündung der Daspe in die Weser am anderen Flußufer die Dorfstätte Daspe liegt, die mit Hehlen seit alters nicht nur durch die Fähre eng verbunden ist. Seit 1410 wird oft ein Flurstück "Dasperod" genannt, das anscheinend mit Sievershagen in Verbindung steht. Im Ortsnamen "Hohe" vermutete man das Grundwort "hoch" (hochgelegen). Wahrscheinlicher aber ist, daß das germanische Wort "haugaz" für Grabhügel in diesem Ortsnamen steckt. Wann aus der ursprünglichen Gelände- oder Stellenbezeichnung (Flurnamen) Hehlen ein Siedlungsname für die Dauerwohnstätte geworden ist, ist uns im Dunkel der Vor- und Frühgeschichte völlig verborgen.

Die erste urkundliche Erwähnung Hehlens in der Fuldaer Handschrift sagt erstmals etwas Genaueres über unseren Ort aus: denn der dort genannte Hemmich ist der erste uns bekannte Grundbesitzer in Hehlen. Hemmich war höchstwahrscheinlich ein Adliger. Seinen Wohnort kennen wir nicht; denn der Adelsgrundbesitz war schon damals und dann im ganzen Mittelalter sehr zersplittert und verstreut. Die Schenkung der Güter in Hehlen an das weit entfernte Kloster Fulda hatte einen religiösen Zweck und war im Sinne der Katholischen Kirche ein gutes christliches Werk. Hemmich war einer der ersten Christen in unserem Gebiet. Denn gerade eben erst waren die heidnischen Sachsen, die im Wesertal zwischen Polle und Hameln wohnten, von einem christlichen Missionar, dem Bischof und späteren katholischen Heiligen Erkanbert bekehrt worden. Erkanbert war "Bischof des Sachsenlandes" und nahm seinen Bischofssitz zunächst im nahen Kirchohsen an der Weser und später endgültig in Minden. Kirchohsen war die älteste christliche Kirche im Gebiet zwischen Hameln und Polle. Deswegen war auch die mittelalterliche Kirche in Hehlen, deren Gründungsjahr wir nicht kennen, dem Erzpriester in Kirchohsen, einer Art von Oberpfarrer, unterstellt. Das Kloster Fulda im schon langer bekehrten Lande Hessen unterstützte diese Mission des Bischofs Erkanbert im Gebiet von Hameln bis Polle und erhielt dort auch von anderen Adligen Landschenkungen. Hemmich wollte mit seinem Landgeschenk wahrscheinlich hier das Christentum fördern und hoffte, daß ihm das im Himmel gut angerechnet würde.

Einige Jahrzehnte später (853/854) verschenkt ein gewisser Hildibert zum Seelenheil von zwei zuvor Verstorbenen Land in Hehlen an das Kloster Corvey. Diese Schenkung hatte also einen ähnlichen Zweck, wie die erste. Das Kloster Corvey war kurz zuvor gegründet worden, um die christliche Religion und Kultur im neubekehrten Sachsenland zu verbreiten und zu erhalten. Ein großer Grundbesitz war die wirtschaftliche Grundlage dafür.

Aus diesen beiden ersten Nachrichten über unser Jubiläumsdorf können wir entnehmen: Dort hatten Adlige Landbesitz, den man genau kannte und beschreiben konnte. Wahrscheinlich saßen auf ihren Grundbesitzungen abhängige, nur halbfreie Bauern, die für sie arbeiten mußten. Wir kennen sogar die Namen von zwei Bauern des Klosters Corvey in Hehlen: Bruoder und Boicho. Es sind die ersten namentlich bekannten Einwohner unseres Ortes. Leider ist die entsprechende Nachricht im Corveyer Güterverzeichnis, das den Geschichtsforscher vor große Schwierigkeiten stellt, nicht genau zu datieren (wahrscheinlich frühes Mittelalter). Beide bauten Weizen und Hafer an.

Das ist so ziemlich alles, war wir aus den ersten Jahrhunderten über die Siedlung Hehlen erfahren. Der Ort war vermutlich noch lange keine einheitliche Dorfgemeinde, sondern eine Gruppe von ganz wenigen Höfen, die kaum Kontakt miteinander hatten. Wir müssen uns den Oberweserraum im beginnenden Mittelalter als riesiges Wald- und Ödlandsgebiet mit vereinzelt dazwischen verstreuten Siedlungsinseln vorstellen. Es gab noch keine Städte. Religiöse, kulturelle und wohl auch wirtschaftliche Mittelpunkte des Raumes waren nur die schon im 9. Jahrhundert gegründeten Weserkloster Corvey und Hameln. Das Kloster Fulda trat seinen Besitz in Hehlen später an sein Tochterkloster Hameln ab. Die Bauern in Hehlen waren weitgehend abhängig von ihren kirchlich Grundherren in Hameln und Corvey. Sie mußten ihnen vor allem Abgaben leisten und landwirtschaftliche Dienste für sie verrichten. Da es im Mittelalter keinen Staat und keine Verwaltung im heutigen Sinne gab, hatte der Grundherr auch allerhand obrigkeitliche Rechte auf seinem Besitz und über diejenigen, die darin wohnten.

Mit den beiden Klostern Hameln und Corvey mag auch die Entstehung der beiden von ihnen abhängigen Pfarrkirchen in Hehlen zusammenhängen. Zwei echte Pfarrkirchen mit allen Pfarrechten in einer einzigen Landgemeinde sind etwas Ungewöhnliches. Leider wissen wir nicht, wann und von wem diese beiden Kirchen gegründet worden sind. Als Gründer kommen in Frage: die Urkirche unseres Gebietes in Kirchohsen bzw. der zuständige Bischof von Minden, die Kloster Fulda, Corvey oder Hameln, aber auch andere Kloster und nicht zuletzt auch Adlige. Es konnte sich bei dieser frommen Doppeleinrichtung um Konkurrenzgründungen mit sehr irdischen Zwecken handeln. Jedenfalls existierten um Jahre 1290 in Hehlen je eine vom Kloster Hameln und Kloster Corvey abhängige Kirche, die sich beide schon seit längerer Zeit über ihre Pfarrechte stritten. Da beide Kirchen auch noch arm und getrennt nicht lebensfähig waren, vereinigte der Bischof von Minden sie im gleichen Jahr zu einer einzigen Pfarrkirche. Dennoch bestanden auch weiterhin noch zwei Kirchengebäude, nämlich die obere und die niedere Kirche. Die obere Kirche ließ man verfallen. Sie stand "auf des Junkers Hofe" und wies eine herausgehobene Lage auf einer breiten, halbrundartigen kleinen Erhöhung über dem Dorfe auf. An ihre Stelle wurde die heutige Immanuelskirche errichtet. Woher der heute in der Immanuelskirche befindliche grabbehauene mittelalterliche Stein (Weihwasser- oder Taufstein?) stammt, ist nicht bekannt. Wo genau die heute verschwundene niedere Petruskirche gestanden hat, wissen wir ebenfalls nicht. Sie ist aber noch auf zwei Kupferstichen des 17. Jahrhunderts mit einem großen spitzen Turm in einiger Entfernung vom Schloß zu sehen (in Merians berühmter Topographie).

In Hehlen hat es immer viel Streit und Prozesse gegeben, wie wir noch sehen werden. Ein Pfarrer hat es sogar fertiggebracht, das Oberhaupt der Christenheit damit zu behelligen: der hiesige Pfarrer Hermann Rike klagte nämlich einmal so gewaltig gegen die Stadt Lemgo, daß der Papst in Rom selbst sich in diese Sache 1397 einschaltete.

Wie wenig durchgebildet die schriftliche Verwaltung im Mittelalter war, kann man schon aus der verschiedenen Schreibweise des Ortsnamens ersehen: Heli, Heloon, (Helan), Heylen, Helen (in der Neuzeit dann noch: Halen, Heelen). Unser Ort wird im Verlauf des ganzen Mittelalters, d. h. für einen langen Zeitraum von etwa 700 Jahren, nur einige Dutzendmal in Urkunden erwähnt, woraus man kein klares Bild der Dorfentwicklung gewinnen kann. Jedenfalls hatten zahlreiche Adelsfamilien und kirchliche Einrichtungen hier Besitz und die verschiedensten Rechte, die sich äußerst buntscheckig und zersplittert ausnahmen. Freie, d. h. herrenlose Bauern gab es im Mittelalter in Hehlen nicht. Im Hochmittelalter wird der Ort schätzungsweise aus höchstens fünf bis sieben größeren Höfen und einigen Kleinhöfen bestanden haben. Mit mehr als 100 Einwohnern kann man damals nicht rechnen. Im Spätmittelalter vergrößert sich dann die Siedlung: die Zahl der Höfe und der Einwohner sowie die landwirtschaftlich genutzte Flache nehmen zu. In einer Liste aus der Zeit um 1400 werden etwa 15 Hofstellen in Hehlen kurz beschrieben und die Besitzer genannt. Die Bauern hatten damals teilweise schon Familiennamen, wie beispielsweise Albert Rese, Henke, Vagedes usw. Der Name Reese ist heute noch im Dorf verbreitet. Eine herausgehobene Stellung hatte der sogenannte Vogtshof. Denn zu der Zeit war Hehlen der Sitz eines kleinen Verwaltungsbezirkes, einer sogenannten Vogtei der bei Stadtoldendorf herrschenden Edelherren von Homburg, die lange sozusagen die Landesregierung unseres Gebietes waren. Das Amt Hehlen umfaßte zu ihrer Zeit insgesamt acht Dörfer, u. a. Daspe, Heyen, Kreipke, Börry, Linse, Bremke. In Hehlen gab es um 1400 schon zwei Mühlen. Von der "Hagermühle" ist zu vermuten, daß sie im Mittelalter von einem zugewanderten ortsfremden Mühlenfachmann eingerichtet worden ist. Auch die Weserfähre bestand schon im Mittelalter. Der Hehlener Wald ("Wohld") als Erbgut der Edelherren von Homburg wird 1389 urkundlich genannt.

Im Spätmittelalter wird der Landkreis Holzminden von einer lang andauernden Katastrophe mit verheerenden Folgen betroffen: Bald nach dem Jahre 1300 starben so viele Einwohner an der Pest und am Hunger, daß mehr als die Hälfte aller damals bestehenden Siedlungen hier ausgestorben sind oder verlassen wurden. Etwa 80 Wohnplätze im Landkreis sind danach nie wieder besiedelt worden. Möglicherweise sind damals auch im Raum um Hehlen zwischen Weser und Ottenstein die Siedlungen oder Dörfer Bredenrode, Groinbike, Baringen, Calmeck, Echelnbeck, W(i)ehagen und andere verlassen oder "wüst" geworden, wie der Fachausdruck lautet. An Bredenrode und Groinbike erinnern vielleicht noch die Flurnamen "Am Brönenberg" und "Im Groneke". Die Mühle in Sievershagen ist der Rest eines kleinen verschwundenen Dorfes. Die Namensendung "hagen" deutet darauf bin, daß. dieser Ort durch Rodung erst spät, wohl in der Zeit vom 12. Jahrhundert bis 1350, entstanden ist. Vielleicht waren die Neusiedler von auswärts herbeigeholte Kolonisten, die mit "Hagerrecht" ausgestattet einen freieren Status hatten als die nur halbieren Bauern (Laten oder Liten, Hörige) in Hehlen. Sievershagen wird 1344 zuerst genannt und war von 1410 bis 1771 Lehen der von Frenke und der von der Schulenburg. Das Dorf bestand im 16. Jahrhundert nicht mehr; die dort befindlichen Mühlen wurden noch bis in unser Jahrhundert betrieben (seit 1909 auch Gastwirtschaft). Um 1400 gibt es auch in der Hehlener Gemeindegemarkung zugewachsenes Ackerland, was auf Bevölkerungsverlust deutet. Einzelheiten sind bisher nicht erforscht. In den späteren Lehnsbriefen für die Herren von Frenke und von der Schulenburg werden zahlreiche Flurstücke, anscheinend um Hehlen-Sievershagen gelegen, aufgeführt, deren besonderer Charakter untersucht werden müßte (u. a. "Vogtsbreite, Dasperrod"). Im Gebiet der Wüstung Baringen wurde 1653 das Vorwerk Ovelgönne des Rittergutes erbaut - eines der ganz wenigen Beispiele für die Wiederbesiedlung eines verlassenen Wohnplatzes im Landkreis Holzminden. Der Name bedeutet "mißgönntes Landstück". Bei Echelnbeck legten die Schulenburger im 18. Jahrhundert das Vorwerk Ernestinental an.

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