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Samstag, 19. Januar 2019

 

Werfen wir jetzt noch einen kurzen Blick in die Umgebung des mittelalterlichen Dorfes Hehlen. Auf der anderen Weserseite liegen südlich von Heyen am sogenannten "Heiligen Berg" eine namenlose Ringwallburg, dann die sogenannte "Lauenburg" und eine romanische Bergkapelle beieinander. Bei Daspe finden wir die sogenannte "Kreseburg". Ob diese fast spurlos verschwundenen historischen Stätten, von denen wir nichts Genaues wissen, irgendeine Bedeutung für das mittelalterliche Hehlen hatte, ist nicht auszumachen. Es ist aber anzunehmen, Daß die Nachbarschaft des Klosters Kemnade sowie der Stadt Bodenwerder nicht ohne Einwirkung auf Hehlen blieb. Während nämlich das mittelalterliche Hehlen am verkehrsfeindlichen, engen und fernstraßenlosen linken Weserufer lag, hatte der Handelsplatz Bodenwerder schon im Mittelalter eine Straßenverbindung zur großen Heerstraße Einbeck-Eschershausen-Hameln. Die wirkliche Bedeutung des an der Straße nach Kemnade aufgestellten legendenumwobenen sogenannten "Frenkesteins", eines Kreuzsteins, ist übrigens unbekannt.

In der Neuzeit, d. h. seit etwa 1500, können wir die Geschichte Hehlens anhand von reichhaltigen Quellen viel genauer überblicken. Man konnte diese 500 Jahre bis zur Gegenwart schlagwortartig kennzeichnen mit der Formel: vom Junkerdorf zur Industriegemeinde. Beschränken wir uns auf das Wichtigste:

Dem um Bodenwerder herum reichbegüterten Adelsgeschlecht von Frenke gehörte das ganze Dorf Hehlen als Lehngut des Herzogs von Braunschweig von 1485 bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1558. Damit gehörten ihnen auch alle Nutzungen, der Zubehör und "alles Recht" im Dorf, worin die Gerichtsbarkeit eingeschlossen war. Im Jahre 1529 wurde ihre Gerichtsbarkeit aber auf kleinere Fälle innerhalb ihrer umzäunten Höfe und auf ihren Gütern im Ort beschränkt. Sie besaßen hier ein Rittergut, das gegen die Verpflichtung zum Kriegsdienst mit besonderen Vorrechten ausgestattet war. Ihr Nachfolger wurde der Reichsfreiherr Fritz von der Schulenburg, der 1560 mit dem Gut und Dort Hehlen vom Herzog belehnt wurde. Mit ihm setzte sich diejenige Adelsfamilie im Ort fest, die das Dorfschicksal als Obrigkeit bis 1807 so ziemlich alleine und danach noch wesentlich mitbestimmte. Die Dorfbewohner galten nämlich bis 1807 als schulenburgische "Junker-leute" oder "Hintersassen". Obwohl persönlich frei Leute, waren sie wirtschaftlich sowie in Justiz- und auch Verwaltungsangelegenheiten ganz von der Schulenburgischen Gutsherrschaft abhängig, der genau festgelegte persönliche Arbeitsleistungen sowie verschiedene Abgaben zustanden.

Die Schulenburger sind ein sehr bekanntes und großes, vornehmlich ostdeutsches, brandenburg-preußisches Adelsgeschlecht, aus dem nicht weniger als vier Feldmarschälle und 36 Generale hervorgegangen sind. Sie waren die größten adligen Grundbesitzer in Preußen. Fritz von der Schulenburg war ein reich gewordener Söldnerführer. Für seine Dienste als Kriegsoberst und Rat des Herzogs von Braunschweig wurde er mit der Belehnung von Hehlen und vielen anderen Gütern belohnt. Seine Ehefrau Ilse, aus dem berühmten braunschweigischen Adelsgeschlecht von Saldern stammend, erbaute dann bis 1584 von seinem Geld an der Einmündung des Bachs "Weißenwasser" in die Weser das wehrhafte Wasserschloß als gewaltige Adelstrutzburg, die im Weserlande damals nicht ihresgleichen hatte. Notwendig war dieser Aufwand nicht, und wahrscheinlich wollte sie damit nur Adelsstolz und Adelsmacht sichtbar machen. Ihrem verstorbenen Ehemann setzte sie später im Schloßhof ein ungewöhnliches Denkmal, wie es sonst nur bei Fürsten üblich war. Geschaffen hat es wahrscheinlich der sehr bedeutende Bildhauer Eberhard Wolff der Jüngere. Es ist ein kraftvolles Sinnbild trotziger Selbstbehauptung und unbeugsamen Adelsstolzes. Dieses Denkmal wie das Schloß selbst, sind auch Ausdruck des Anspruchs der rebellisch-kriegerischen Familie von Saldern, in deren Familienhändel die Schloßherrin Ilse bis zu ihrem Tode 1607 verstrickt war. Die von Saldern bauten schlichte Schlösser, und so steht auch Schloß Hehlen in seiner wehrhaften Massigkeit und Schmucklosigkeit ohne Giebel unter den übrigen Schlössern des Weserraumes einzigartig da. Obwohl durch Fritz von der Schulenburg auch ostdeutsche (ostsächsische Elemente) in den Schloßbau eingegangen sind, behauptete man, daß Ilse nicht ganz im Sinne ihres Mannes und "nicht aus Notwendigkeit des Lehens" so stattlich und kostspielig gebaut hatte. Jedenfalls erreichte sie es, daß ihr eigenes Geschlecht später auf den Besitz Anspruch erhob. Auch wollte sie listigerweise die Haukosten einem Neffen des Fritz von der Schulenburg als späterem Lehnserben aufhalsen.

Die Entstehung des Ritterguts Hehlen ist noch nicht erforscht. Nachrichten über einen adligen Sitz, d. h. ein festes Haus, fehlen bis 1564. In Lehnsbriefen für die Ritter von Daspe (1410) und seit 1491 für die von Frenke wird anscheinend bei Sievershagen (?) eine "Vogtsbrede", d. h. eine Ackerflur, genannt. Ob diese irgend etwas mit dem ehemals homburgischen Vogtshof in Hehlen zu tun hat, ist nicht bekannt. Hehlen gilt zwar als Gerichtsort derer von Frenke, doch ob sie hier jemals wohnten, ist nicht bezeugt. Das ist aber wohl von Bodenwerder zu vermuten. Denn dort besitzen sie 1345 einen Garten "vor der Langen Brücke". Im Jahre 1407 stellten sie ihren Hof in Bodenwerder mit dem "steynwerke" (steinernes Maus) samt allen Gebäuden (buwecht) und Zubehör dem Edelherrn von Homburg zur Verfügung, der diese Grundstücke dann an die Kirche zur Anlegung der dort erbauten Stadtkirche St. Nikolaus weitergab. Ein alter in Bodenwerder bestehender Burglehnhof derer von Frenke vor der großen Brücke wird noch 1484 erwähnt. !n Hehlen existiert um 1545 ein wüster "Junkerhof" an der Stelle der heutigen Immanuelskirche. Ein Rittergut Hehlen ist seit etwa 1500 bezeugt.

Mit Beginn der Neuzeit verlor der Landadel an Bedeutung als Ritter im Lehnsaufgebot der Landesherren. Er wandte sich deswegen zur Sicherung seines Lebensunterhalts verstärkt der vorher vernachlässigten landwirtschaftlichen Betätigung zu. Aus dem Ritter wurde ein Landjunker. Der Adel versuchte jetzt, seine Güter zu vergrößern, meistens auf Kosten der Bauern. Zwischen Herbort von Frenke und seinen Hintersassen in Hehlen wurde 1548 ein Vertrag geschlossen, der anscheinend die gegenseitigen Rechte regelte: unter anderem wurde das Besitzrecht derjenigen Bauern, die Frenkesche Acker gegen Zinsleistung bepflügten, als meierrechtlich (d. h. eine Art Erbpacht) deklariert, sowie Regelungen über die Viehmast und Feuerholzentnahme der "Dorfschaft zu Hehlen" aus den "Frenkeschen Hölzern" getroffen. Der neue Herr, Fritz von der Schulenburg, war sogleich bestrebt, sein Hehlener Rittergut zu vergrößern, um größere Erträge zu erzielen. Die Zeit war günstig, da die Getreidepreise stark anstiegen. Nach Streitigkeiten mit seinen Hehlener Hintersassen bringt die herzliche Regierung 1563 einen Vergleich zwischen den Parteien zustande: danach war der Gutsherr berechtigt, von Bauern, die "Hofacker", also zum Adelsgut gehöriges Land unter dem Pfluge haben, derartiges Ackerland bei Entschädigung der Bauern zu dem "Hof zu Hehlen", d. h. an das Rittergut zu ziehen. Die Bauern wurden auch verpflichtet, wüst liegende Ländereien wieder zu beackern und die vorgeschriebenen Abgaben davon zu entrichten: das bedeutete sowohl Intensivierung der Gutsherrschaft wie der Landwirtschaft im Dorf Hehlen. Auf die sonstigen, sehr detaillierten Bestimmungen dieses "Grundvergleiches" komme ich später zurück. Sechs Jahre danach müssen zwei herzliche Amtmänner die zwischen Fritz von der Schulenburg und seinen Dienstpflichtigen strittigen Spanndienst auf einer Zusammenkunft in Hehlen regeln. Das alles zeigt, daß der neue Gutsherr diese Herrschaft energisch wahrnehmen wollte. Doch mancherlei Schwierigkeiten besonders mit den benachbarten herzoglichen Beamten ließen ihn bis 1568 mit dem Gedanken spielen, seine Lehnguter an der Weser zu verlassen, wie er dem Herzog mitteilte. Doch inzwischen war er auch Schloßherr, d. h. Herr eines "festen" (befestigten) Hauses geworden.

Der Adel strebte seit je nach eigenen Burgen, die besonderes Ansehen und Schutz gewährten. Für die Burgen galt eine Art gesondertes Burgrecht, insbesondere der erhöhte Burgfrieden. Surgen waren von hohem militärischem und als Pfandobjekte auch von materiellem Wert. Der Landesherr verfügte über das Befestigungsrecht und mußte den Bau von neuen Burgen, oder was dasselbe war, von "festen Häusern", genehmigen. Denn der Adel konnte von seinen Burgen aus Fehden führen und den Landfrieden stören. So erlaubte der Herzog 1496 den von Campe in Deensen "eine Festung zu bauen zur häuslichen Wohnung, mit Burgfrieden, Frei- und Gerechtigkeit gleich anderen ... Burgen und Schlössern". Am 28. November 1564 erteilte Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel bei einem Aufenthalt in Amelungsborn dem "ehrenfesten Rat und lieben Getreuen Fritz von der Schulenburg" die Erlaubnis zum Bau eines adligen Hauses in Hehlen, "da er daselbst keinen Edelmannssitz, da er gelegentlich wohnen konnte, hat, und willens ist, zu Hehlen zu bauen"; bei einem etwaigen Übergang der Frenkesch-schulenburgischen Lehnguter in andere Hände soll der Nachfolger für die von Fritz bereits errichteten und zu erbauenden "Gebew" (Gebäude) eine Geldentschädigung an dessen Erben entrichten. Schon vier Jahre später existiert in Hehlen ein "neu gebauter Wohnhoff und adeliger Sitz": denn am 23. Oktober 1568 wurde "alle sämtlichen gemeinen Männer und Bauerschaften der vier Dörfer Brökeln, Hehlen, Daspe und Frenke" vor diesem Adelssitz, und zwar "gar nah vor seines Hofes Pforte hart an der Weser" zusammengerufen und von herzoglichen Raten durch Verlesung einer Urkunde auf die neue schulenburgische Obrigkeit verpflichtet, der sie in Zukunft botmaßig sein sollten. Nach der Inschrift unter dem Denkmal des Kriegsobristen im Schloßhof wurden Gut und Schloß jedoch in folgender Reihenfolge erbaut: ab 1560 zuerst die steinerne Scheune (fertig 1564), danach Vorwerk, Torhaus, Schweinehaus, Schafstall, die beiden Mühlen; von 1579 bis 1584 "dann Gebäu, Schloß, Graben". Das Selbstgefühl des erfolgreichen Schloß- und Gutserbauers kommt in den folgenden Versen zum Ausdruck, die an dem wohl ebenfalls von Eberhard Wolff dem Jüngeren geschaffenen Epitaph für Fritz in der ehemaligen (niederen?) Kirche (seit 1887 im Rittersaal des Schlosses) angebracht sind:

"Auch dieß gantz gbew, Schloß, graben all,
Scheur, vorwerck, pfort, schweinhäuß, schafstall,
Die Mühlen beid wit Zugethan,
Durch Gotts hilff Ich volnführet han,
Von meinem recht Erworbnen gut."

In Hehlen entstand ein "festes Schloß", das mit Wassergraben, Zugbrücke und drei Schießscharten nur recht schwach befestigt war und lediglich noch gegen Diebereien, streifende Horden, räuberische Überfalle usw. Schutz bot. Als Vierflügelanlage (Kastelltypus) repräsentiert es den klassischen älteren Schloßtyp. Vorbild für die Schloßbauten des Weseradels waren bekanntlich die Schlösser der Landesherren und vielleicht auch Anregungen aus Kriegszügen in Frankreich. Möglicherweise erbaute Fritz seinen Adelssitz auf vorher unbebautem Gelände, wo er sich ganz nach Belieben ausdehnen konnte. Wie andere Adlige wollte der Kriegsoberst mit seinem Schloßbau wohl imponierend repräsentieren und sich zur Geltung bringen.

Fritz von der Schulenburg und Ilse von Saldern sind wohl die farbigsten Gestalten unter den Schloßherren in Hehlen gewesen. Fritz wuchs in dürftigen Verhältnissen auf und kaufte sich in jungen Jahren vom Zusammengesparten eine Hellebarde, mit der er als einfacher Landsknecht in den Krieg zog. Als "christlicher adeliger Kriegsmann" war er "in Scharmützeln, in Feldschlachten, im Stürmen allenthalben mit vorn dran gewesen", wobei er eine tiefe Stirnnarbe davongetragen hat. Im Kriegsdienst wollte er "nach rittermäßigen Tugenden streben und seines adeligen Geschlechts ehrlichen Namen ferners helfen erweitern". Ihm wurde nachgerühmt, "daß er fast bei allen fürnehmsten Kriegshändeln gewesen sei, die sich bei Lebzeiten des Kaisers Caroli Y. in Teutschland, Frankreich, Niederland und Hungern (Ungarn) begeben haben". Daneben werden seine lutherische Frömmigkeit und christliche Mildtätigkeit gelobt. Regelmäßig besuchte er "mit seinem geliebten Ehegemahl und ganzem Gesind, auch allen Tagelöhnern" die Predigten und ließ morgens und abends "zu Haus über Tisch" aus der Bibel vorlesen. Seine Ehefrau Ilse (1539 - 1607) lebte nach seinem Tode 1589 in Hehlen in einer kleinen, bescheidenen Wohnung mit einem Saal, Küche, Stube, Kammer, Weinkeller und einfachem Hausrat. Halb ertaubt erbaute sie sich an Luthers Büchern und Chorälen und hielt ihr Gesinde in strengster Zucht, ohne die geringste Leichtfertigkeit zu dulden. Allabendlich versammelte sie die Hausgenossen zur Andacht. Kurz vor ihrem Tode freute sie sich auf den Augenblick, wenn sie "heraus aus dieser losen Welt".

Mit den Schulenburgern setzte sich eine landfremde Adelsfamilie im Wesergebiet fest. Durch die Erwerbung von Hehlen griff das altmarkische Geschlecht erstmals nach weit westlich gelegenem Landbesitz. Ob Fritz von der Schulenburg bei dem Ausbau seines Rittergutes die wenig bauernfreundlichen ostdeutschen Gutsbesitzer-Methoden anwendete, wissen wir nicht. Auch der niedersächsische Adel versuchte in dieser Zeit, wenn auch weitaus weniger erfolgreich als im deutschen Osten, Bauernland einzuziehen. Leider ist bislang unbekannt, wieviel Gesinde im Schloßhaushalt und Gutsbetrieb in Hehlen wohl beschäftigt war Doch liegen Vergleichszahlen vor: für ein großes Gut im Weserraum hat man mit Einschluß der Gutsherrenfamilie etwa 50 ständig verköstigte, (4. h. insbesondere Beschäftigte) Personen in vorindustrieller Zeit errechnet, wahrend ein kleines Gut nur etwa 10 Haus- und Gutsangehörige umfaßte. Von dem im Jahre 1944 in Schulenburgischem Besitz befindlichen 33 Gütern lag Hehlen übrigens hinsichtlich der Flächengröße an sechzehnter Stelle.

Daß mit den brandenburgischen Schulenburgern nun ein scharfer Wind vom Rittergut her wehte, merkten die Hehlener Hintersassen sehr schnell, wie wir gesehen haben. Noch viel einschneidender für unseren Ort war aber, daß der alte Landsknechtsführer sich einen eigenen adligen Gerichts- und Verwaltungsbezirk, zwar nicht mit dem Schwerte, aber mit seinen Ellenbogen erkämpfte, wobei es wohl nicht ohne Rechtsanmaßung abgegangen ist. Der für unser Gebiet zuständige herzliche Beamte jedenfalls machte unumwunden aktenkundig, daß der Obrist seine Gerichtsherrschaft "erschlichen" hatte. Am fade bekam Fritz von der Schulenburg im Jahre 1576 nach vielen Handeln und Querelen das sogenannte "Gericht Hehlen" als einen besonderen kleinen adligen Landesteil übertragen, der aus den vier Dörfern Hehlen, Daspe, Brökeln und Frenke bestand.

Die langsame Entstehung des Adligen Gerichts ist ebenfalls genauer noch nicht erforscht. Im Jahre 1557 schlichtete eine herzliche Kommission Streitigkeiten zwischen dem von Frenke und dem Amte Ottenstein Über die "Hehlenschen Gerichtsdörfer"; dabei wurden insbesondere Grenzen und Nutzungsrechte auf der Ottensteiner Hochfläche, u. a. hinsichtlich Sievershagen, Bredenrode, der Wüstung Echelnbeck usw. festgelegt. Auch wurden Bestimmungen über eventuelle zukünftige Rodungen in diesem Grenzstreifen getroffen. Es gab damals noch viel "Wildland" (wüstes Land) "up dem Berge" und im "breden Rode" in Hehlen. Nachdem die von Frenke 1558 ausgestorben waren, war der Kriegsoberst spätestens 1560 mit den vier Dörfern belehnt. Der Amtmann von Wickensen (bei Eschershausen) nahm aber weiterhin hier alle obrigkeitlichen Rechte wahr. Darüber beschwerte sich Fritz von der Schulenburg bei Herzog Julius von Braunschweig, der 1560 versprach, ihm nach dem Tode seines Vaters "Gebot und Verbot" in seinen Dörfern, d. h. wohl auch Verwaltungsbefugnisse zu verschaffen. Im Jahre 1568 verleiht er ihm dann "alle Gerechtigkeit, hohes und niedriges Gebot und Verbot" in seinen vier Dörfern mit ihren "gefreiten adligen Leuten". Weitere Streitigkeiten mit dem Amt Wickensen wurden durch einen Rezeß vorläufig 1576, endgültig erst 1611 beigelegt: danach wirkten Beamte aus Wickensen bei der hohen Gerichtsbarkeit über schwere Straffälle im Gericht Hehlen mit. Im Jahre 1611 wurde dann festgesetzt, daß der Schulenburger Gerichtsherr seine Gerichtsstätte zwar auf Hehlener Grund und Boden, aber unter Mitwirkung des Amtes Wickensen, setzen und einrichten kann. Hehlen war ein sogenanntes "geschlossenes Gericht"; das besagt, daß der Gerichtsherr nicht nur die Gerichtsbarkeit ausübt, sondern in landesherrlichem Auftrag hier auch die Verwaltung der Polizei-, Militär- und Kirchenangelegenheiten wahrnimmt.

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