Um Funktionalität und Service zu optimieren, verwenden wir Cookies. Mit der Nutzung dieser Seite willigen Sie in die Verwendung von Cookies ein. Bitte nutzen Sie diese Website nicht, wenn Sie mit der Verwendung von Cookies nicht einverstanden sind.

logo hehlen 79x90

Mittwoch, 19. Juni 2019

 

Trotz des Grundrezesses von 1576/1611 ist mit dem Amt, Wickensen noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts "mancherlei Irrung" über die Hehlener Gerichtshoheit entstanden. Ein Streitpunkt war unter anderem das "Aufheben und Begraben toter Körper", was nur Obergerichten zustand. So läßt Achaz von der Schulenburg 1634 einen in der Weser Ertrunkenen eigenmächtig begraben und verjagt den Gogrefen von Wickensen mit dessen Amtsuntertanen, die den Toten wieder ausgraben wollen, durch Schüsse. Anno 1743 ließ der Hehlener Gerichtsherr ein ermordetes Kind eigenmächtig sezieren, obwohl das Amt Wickensen es durch eine Wache gesichert hatte. Im Jahre 1744 schließlich verscharrte das Gericht Hehlen eine Selbstmörderin "auf dem Schindanger"; das Amt ließ die Leiche ausgraben, ordentlich sezieren und wieder "beischarren".

Was bedeutet dieses Adlige Gericht nun für die Entwicklung von Hehlen?

Auf der einen Seite eine gewisse Aufwertung als Mittelpunkt eines in vieler Hinsicht selbständigen Adelsbezirkes in der Hand eines namhaften und mächtigen Geschlechts. Das großartige Schloß war ein unübersehbares Zeichen dafür. Übrigens war Hehlen kurze Zeit zwischen 1569 und 1576 auch Sitz des nach Halle übersiedelnden evangelischen Superintendenten gewesen. Weniger angenehm für die Gemeinde war indessen, daß die Schulenburgische Gutsherrschaft nun neben "Gebot und Verbot" auch noch im Besitz einer erblichen Privatgerichtsbarkeit war, die sich auf alle in den vier Gemeinden vorkommenden schweren und leichten Straffen sowie die kleineren sogenannten bürgerlichen Streitigkeiten erstreckte. Die Justiz im Gericht Hehlen übte bis 1807 nicht der Graf selbst, sondern ein juristisch vorgebildeter Amtmann in seinem Auftrag aus, der auch der Verwaltung im kleinen Bezirk vorstand. Um 1800 lebten im Gericht 1004 "Seelen".

Zeichen der neuerrungenen Schulenburgischen Blutgerichtsbarkeit, d. h. der Macht, auch Todesurteile auszusprechen und zu vollstrecken, war der Hehlener Galgen. Er stand Iange auf dem sogenannten "Galgenbusch" zwischen Hehlen und Bodenwerder, den man irgendwo östlich der Lederfabrik (Flurname "Galgenbusch") zwischen Bundesstraße und Eisenbahnlinie suchen mußte. Dort wurden die vom Hehlener Halsgericht verkündeten Todesurteile auch vollstreckt - teilweise wohl vom Scharfrichter aus Halle. Bei Ovelgönne stand der Galgen des benachbarten Amtes Ottenstein.

Dieses Adlige Gericht hat etwa zweihundert Jahre lang serienweise viele dicke Aktenbände mit Gerichtsprotokollen produziert, aus denen das Leben und Treiben sowie der Alltag im Dort bis in Einzelheiten erstmals ganz klar erkennbar ist. Tüchtig gestritten haben schon die mittelalterlichen Pfarrer in Hehlen. Sie wurden nun weit übertroffen von der Gutsherrschaft, die sich nicht nur unzählige Male mit ihren dörflichen Hintersassen sondern auch noch mit den benachbarten herzoglichen Beamten in Ottenstein und Wickensen (bei Eschershausen) herumstritt.

Sehr streitbar war aber auch die Gemeinde Hehlen mit ihren Vorstehern, den Bauermeistern an der Spitze, die sich von ihrem hochgebietenden Dorf- und Gerichtsherrn nicht viel gefallen ließ, obwohl sie sich im Verkehr mit der Obrigkeit als "untertanigst-demütigste" Gemeinde bezeichnete.

Schon gleich bei Antritt der neuen Dorfherrschaft erheben sich 1563 "Irrungen und Gebrechen", wie es heißt, zwischen Fritz von der Schulenburg und der Gemeinde Hehlen, die sogar vor dem Herzog gegen ihren Gutsherrn klagt, worauf 1563 ein Vergleichsprozeß aber die wechselseitigen Gemeinde- und Gutsherrenrechte geführt wurde. Zunächst wurde der Landbesitz der Bauern und des Gutsherrn festgestellt, den der Amtmann von Wickensen in Zweifelsfällen zum Teil mit der Rute abmessen sollte. Der Gutsherr war offensichtlich bestrebt, den Landanteil seines "Hofes" zu vergrößern. Dann wurde die Viehmast, die Feuerholz- und Bauholzentnahme in den "Hehlenschen Holzern", d. h. Waldungen geregelt und das Schlagen von Grünholz verbaten. Das Anlegen von Kressenteichen mit den zugehörigen Garten wurde untersagt, weil dadurch der Wasserzufluß auf die Mühlen verstopft wurde. Die Acker der Bauern waren mit Zäunen eingehegt. Zahlreiche weitere Bestimmungen in diesem Vergleich von 1563 regeln die Verhältnisse in Dorf, Feld- und Waldgemarkung. Offenbar war es vorher von beiden Seiten zu Nötigungen, Bedrohung und "Überlaufen mit Büchsen und Spießen", d. h. zu Gewalttätigkeiten, gekommen. Die "Männer" oder "Inwohner" von Hehlen hatten ihr Klage gegen den neuen Gutsherrn übrigens schriftlich bei der herzoglichen Regierung erhoben. Die Gutsherrschaft ihrerseits legte Akten über "rebellische Bauern" an (17. Jahrh.) und von den mutwilligen, "haltsstarrigen" Hehlenern ist in den Akten häufig die Rede. Der Gutsherr Achaz UI. (gest. 1661) klagte kurz vor seinem Tode sogar in seinem Testament über die "mutwillige Halsstarrigkeit" seiner Hehlener Hintersassen. Der Braunschweigische Herzog schützte jedoch seine Bauern seit alters gegen adlige Übergriffe, so daß sich in diesem Ländchen ein einigermaßen gesundes Bauerntum behaupten konnte. Die Bauermeister als Gemeindehäupter ließen sich aber auch von der herzoglichen Regierung nicht alles bieten: Als 1754 im Herzogtum die Schulpflicht für sogar Vierjährige eingeführt werden sollte, widersprachen sie mit der Begründung, man konnte den zumeist armen Eltern nicht zumuten, ihre kleinen Kinder über die "gar weiten und schlimmen Wege" zur Schule zu tragen!

Selbstverständlich fehlte es aber auch innerhalb der Dorfbewohnerschaft selbst nicht an Anlassen für handfeste Streitigkeiten. Ein Protokollheft über "Handel und Exzesse" im Gericht Hehlen verzeichnete nur für das eine Jahr 1584/85 annähernd 40 registrierte Gerichtsvorkommnisse. Es überwiegen dabei: Widersetzlichkeiten jeder Art gegen den Junker von der Schulenburg, wirtschaftliche Übergriffe im Dorf, auf der Feldmark und im Walde, unbefugtes Viehhüten, Holzdiebstähle, Beleidigungen und Schlägereien, Ausschreitungen von Betrunkenen usw. (Ein von den Herren von Frenke verpachteter Dorfkrug in Hehlen ist übrigens schon im 16. Jahrhundert bezeugt.)

Sehen wir uns einige Fälle an.

Einer weigert sich, einen Brief nach Hildesheim zu tragen, mit den klassischen groben Worten: "er gedachte dem Junker nicht botenweis zu laufen", d. h. den Boten zu spielen. Zwei Männer aus Daspe verweigern den Junkerbefehl, Lebensmittel zur Fahre zu transportieren, mit den Sätzen: "sie gedachten dem Junker keine Reise zu fahren; was man ihnen deswegen antun wolle, das wollten sie schon erwarten, und lieber heute als morgen". Die Bauermeister drohen ungestüm, den Schulenburgischen Schäfer von ihrem Feld zu jagen und ihn so zuzurichten, daß man ihn auf einer Karre ins Dorf heimfahren müßte. Die Dasper Leute sperren die Schafe des Junkers in einer Scheune ein mit den Worten: "sie wollten den Junker der Schäferei müde machen und ihre Schafe allein hüten lassen".

Die Insassen des Gerichts Hehlen gingen miteinander auch nicht gerade sanft um. Gern schlagt man sich "den Kopf entzwei", was damals wohl der stehende Fachausdruck für Körperverletzungen war. So gibt es blutigen Streit in der Fahre, weil zwei Gespannführer zugleich in die Fahre hinein jagen, wobei ein Pferd auf einen Pflug aufläuft und die Köpfe der beteiligten Streithähne mit Peitschenhieben und Rechen böse zugerichtet werden. Ein Betrunkener kommt "dull und voll", wie es wörtlich heißt, aus Bodenwerder, fallt in ein Haus in Hehlen ein und schlagt einen Mann dort nicht nur mit dem Spieß nieder sondern auch noch den Kopf "entzwei"! Auch bei den Frauenpersonen ist mancher Zank zu schlichten. Nicht einmal in der Kirche gaben die Frauen Ruhe, denn mehrere streiten sich dort so heftig um einen Platz, daß öfter sogar "wahrend der Predigt ... Tumult und Aufruhr wie Stoßen und Zanken" angezettelt wurde.

Man konnte noch lange aus diesen Gerichtsprotokollen zitieren, aus denen eine kräftige, selbstbewußte und wenig demütige Landbevölkerung sichtbar wird.

Reizvoll sind auch die alten Rechtsbräuche: beim Verkauf der Niederen Mühle in Hehlen, der sogenannten freien Hägerschen Erbmühle, an die Gutsherrschaft setzt der Müller den Schulenburgischen Amtmann 1594 dadurch in den Besitz, daß er ihm den Mühlenrumpf und einen Erdklumpen aus dem Mühlengarten unter Beglückwünschungen in die Hand gibt. Übrigens konnte der Müller Hans Teuffel damals weder lesen noch schreiben und noch 1771 Können einige Hehlener Weideberechtigten ihren Namen nicht schreiben.

Das Gericht Hehlen als kleiner Verwaltungsbezirk mußte dem Herzog von Braunschweig Soldaten stellen. Schon um 1545 werden "wehrhafte Männer und Knechte", d. h. dienstfähige Leute, in Hehlen hervorgehoben. Später müssen Land- und Feldsoldaten gestellt werden, wobei 1689 die ausgehobenen "ledigen Kerls" und Bauernsöhne viele "Difficultäten" machen. Im Jahre 1787 befinden sich bei den nach Amerika "verkauften" Braunschweigischen Truppen auch zwei Soldaten aus Hehlen, wovon einer dort bereits verstorben war.

Werfen wir jetzt noch einen kurzen Blick auf die Schulenburger Gutsherren, die 1728 Reichsgrafen wurden und hier vor Ort den sogenannten Ast Hehlen innerhalb des weitverzweigten Gesamtgeschlechtes begründen. Das Rittergut war ein Grundbesitz mit ganz besonderem Rechtsstatus: Es wurde in die sogenannte Rittermatrikel eingetragen, war von allen Staats- und Gemeindelasten befreit und hatte einen besonderen, bevorzugten Gerichtsstand. Das Rittergut Hehlen war landtagsfähig, d. h. der adlige Besitzer hatte damit einen ständigen Sitz im Braunschweigischen Landtag. Auch hatte er das Recht zu Trauungen und Taufen sowie zu Begräbnissen auf seinem Besitz. Im dreißigjährigen Krieg wurde des Rittergut schwer verwüstet und den Schulenburgern zeitweise geraubt. Danach war es stark verschuldet und kam erst durch Sparsamkeit langsam wieder in die Hohe. Der seiner Bauernbevölkerung völlig entfremdete Friedrich Achaz von der Schulenburg ließ mit der 1699 fertiggestellten Immanuelskirche im Dorf ein bemerkenswertes Architekturkunstwerk errichten, bei dem der berühmte braunschweigische Barockbaumeister Hermann Korb einen zentralen Innenraum eindrucksvoll und originell gestaltete. Das Rittergut war dann im 18. Jahrhundert wegen zu aufwendigem Lebensstil wiederum, nun aber unvorstellbar, verschuldet und stand zeitweise unter Zwangsverwaltung. Erst im vorigen Jahrhundert gesundete der Gutsbetrieb wieder. Der frühere Klosterhof Kemnade wurde 1842 angekauft. So konnte Hehlen mit seinen damals etwa 1100 Hektar im Jahre 1866 zum Schulenburgischen Familienstammgut erklärt werden. Für Wohltätigkeitszwecke hat die Gutsherrschaft zu verschiedenen Zeiten einige Stiftungen errichtet, unter anderem das Armenhaus und die Gräfin Julia-Stiftung (von 20.000 M). Schon Fritz von der Schulenburg hatte ein Legat ausgesetzt, das u. a. für Schuldiener und Hausarme im Gericht Hehlen bestimmt war. Im Schloß befanden sich seit etwa 1747 wertvolle Kunstgegenstände, Waffen, Bücher und historische Dokumente aus, dem Besitz des berühmten venezianischen Feldmarschalls Johann Matthias von der Schulenburg (1661 - 1747), die nach dem Verkauf des Gutes 1956 zerstreut sind. Das Gutspersonal bestand im 17. Jahrhundert u. a. aus dem Amtmann, dem Amtsschreiber, Förstern, Jägern, Vorreitern, Gärtnern, Hauslehrern, Rechtsberatern, wozu im vorigen Jahrhundert Gutsverwalter, Schloßverwalter und Rechnungsführer kamen.

Wie sah es aber in unserem Junkerdorfe selbst aus und wie lebte der Landmann hier?

Hehlen war in der Neuzeit ein Ort mit ständig wachsender Bevölkerung: Um 1540 hatte es noch etwa 100 Einwohner; im Jahre 1663 dann 193 (Erwachsene); 89 Feuerstellen und 536 Einwohner registrierte man 1774 im Dorf; 1798 zahlte es schon 673 Kopfe und hundert Jahre später war man (um 1905) bei 987, d. h. bei fast tausend Dorfbewohnern angelangt. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert kann man es als Großdorf bezeichnen. Schon um 1760 hatte es eine überdurchschnittlich hohe Bevölkerungszahl. Im Jahre 1947 schließlich stand es an Bevölkerungszahl und Gemeindeflächengröße immerhin ganz oben an achter Stelle unter den 73 Gemeinden des Landkreises Holzminden.

Karten und genaue Beschreibungen zeigen uns, wie es im Dorf um 1770 aussah. Damals existierten in Hehlen etwas 80 Hofstellen, die von den in vier Klassen gegliederten Bauern besetzt waren. An der Spitze standen die 13 Meierhöfe, danach folgten die kleineren Hofstellen der Köter, Brinksitzer und Anbauer. Auf Veränderungen im alten Hofbestand weist die Tatsache, daß ein Vollmeierhof in der Nähe des Schlosses damals schon weit über hundert Jahre wüst lag und vom gräflichen Haus genutzt wurde. Die sieben nichtbäuerlichen Häuslinge besaßen kein eigenes Haus und wohnten nur zur Miete. An dörflichen Einrichtungen waren vorhanden: Pfarrhaus, Schulhaus, Backhaus, Hirtenhaus für Kuh- und Schweinehirt sowie ein Armenhaus für neun Personen. Des Försterhaus gehörte zum Gute. Das Bier für den damals verpachteten Dorfkrug wurde im Ort selbst gebraut und auch die Krüge in Daspe und Brökeln schenkten Hehlener Bier aus. Der Wald mit seinen 15 Revieren sowie die Schäferei, die Fischerei und die niedere Jagd gehörten dem Grafen. Dieser setzt auch den Pfarrer und Schullehrer ein. In den beiden gräflichen Mahlmühlen müssen die Junkerleute ihr Korn mahlen lassen. Auch gehörte den Schulenburgern eine Gipsmühle mit zwei Gipsofen sowie etwa im Gebiet der heutigen Kalkwerke ein Kalkbruch und darunter an der Weser ein Kalkofen. Es sind ferner vorhanden: Brüche für Steine, Gips, Sand, Ton sowie Gruben mit Mergel, Lehm und Torf. Die 1617 gegründete gräfliche Papiermühle war eine der ältesten im Oberwesergebiet und verfugte im 18. Jahrhundert über ein durch zwei Etagen gehendes Maschinenhaus mit der Presse, Kesseln, Trogen usw. Ihre Rohstoffe bezog sie von Lumpenhändlern. Obwohl die Gemeinde damals außer dem Pachtgeld vom Gemeindebackhaus keine Einkünfte hatte, mußte sie das Pfarr- und Schulhaus unterhalten. In ihrem Dienst standen die beiden Bauermeister, ein Nachtwächter und ein Fluraufseher. Auch waren schon einige Feuerschutzgeräte vorhanden. Im Ort lebten etwa 12 Handwerker. drei Kramer (Kaufleute), ein sogenannter Chirurg, d. h. eine Art dörflicher Wundarzt, und auch drei Juden. An Handwerkern finden wir in Hehlen 1771: je zwei Schneider und Schuster und je einen Schmied, Rademacher, Tischler, Maurer, Bader. An Baumaterialien bezogen die Einwohner; Eichenholz vom Grafen, Bruchsteine aus dem Wald, Ziegelsteine und Backsteine aus Hameln und Bisperode, Lehm vom Hagenberg sowie Kalk und Gips aus den örtlichen Ofen. Nicht alles Ackerland war bebaut: 17 Prozent, (315 Morgen) lagen wüst (in Brökeln sogar 47 Prozent, was ein Spitzenwert im gesamten Landkreis Holzminden war!). Das Dorf galt damals als sehr arm. Die Viehzucht war schlecht. Haupterwerbsquellen waren hier der Ackerbau und als Nebengewerbe in nicht weniger als 40 Höfen die Leinenweberei und auch das Spinnen. Einigen Verdienst brachte auch das Strom-aufziehen von Schiffen, was unendlich mühsam und kostspielig war, da bis zu hundert Menschen für die Fortbewegung von einem einzigen Schiffszug nötig waren. Das Weser-Strombett war damals im allgemeinen breiter und seichter, auch war es durch Sandbänke gespalten. Das Ufer war durch Abbrüche gefährdet. Der Treidelpfad wechselte immerfort von einem Ufer zum anderen. Die plumpen hölzernen Schiffe mußten oft mit Hebebäumen, Ankern und Winden über die Sandbänke im Strombett mühselig hinweggezogen werden. Um 1796 durchfuhren rd. 360 Schiffe jährlich die Oberweser. Stromaufwärts dauerte die Schiffahrt von Hameln bis Münden 8 bis 10 Tage. Damals wurden aber bereits Pferde (14 bis 18) anstelle der Menschen zum Treideln auf dieser Strecke eingesetzt. Weiteren Verdienst hatten die Hehlener auch noch durch die Übernahme von Frachtfuhren, die weit nach Süden und Nordwesten gingen, und zwar für Kesselflicker nach Uslar und für eine Messinghütte nach Reher (bei Aerzen). Erst im 18. Jahrhundert hatte unser Ort durch den Bau einer durchgehenden Poststraße Holzminden - Hameln im Wesertal Verkehrsanschluß an beide Städte erhalten. Vorher war es mit den Nachbarorten nur durch Landwege verbunden. Schon f749 ordnete die herzliche Regierung eine Postexpedition auch für Hehlen an: der dortige Schulmeister sollte die Briefe sammeln und sie einmal wöchentlich an das zuständige Amt (Wickensen oder Ottenstein) senden, von wo sie an die "ordentliche Post" zur Expedition weitergegeben wurden. Aber erst seit 1867 besteht eine ständige Postexpedition im Ort.

Über die hier unberücksichtigt gebliebene Hehlener Kirchengeschichte (und auch z. T. Schulgeschichte) informiert die Festschrift von 1979 aus der Feder des Gemeindepfarrers K. U. Blomberg.

Anmelden Registrieren